Der Graue Ring

: the grey ring


Information

Außer den vier Zentimetern Holz im Fleisch der linken Hand trage ich eine Sinar F2, ein passendes Stativ, meine DSLR, nötiges Zubehör, meine SIGG Flasche und eine Packung ADOX CMS 20 II Professional mit mir; ich wandere damit die Wiener Ringstraße entlang. Wann, an welchem Gebäude das natürliche Licht, welche Lichtsituation wiedergibt kann ich perfekt aus meinem Gedächtnis abrufen; dies ändert aber nichts daran, dass schwere Wolken über Wien hängen und schön langsam eine bestimmte Zeitspanne immer kürzer wird.

Aus letzterem Grund beginne ich zu fotografieren.
Die Hände gefrieren ungewöhnlich schnell.
Filmtausch im Wechselsack, kaum Gefühl in den Fingerspitzen.
Mit dem Kopf durch die Wand.
Die Luft schlecht.
Der Lärm laut.

Zwanzig-Fünfzehn feiert die Wiener Ringstraße ihr 150-jähriges Jubiläum. Irgendwann noch vor diesen 150 Jahren war eben dieser Bereich ein Glacis, eine einzige Grünfläche. Heute fahren auf der Ringstraße, welche bis zu vier Spuren bietet, permanent Autos; diese sorgen für Lärm und Verschmutzung; auch die Sicht auf die imposanten, vorwiegend durch den Historismus geprägten Gebäude wird erschwert, diese werden zur Nebensache, Protagonist sind sie schon lange nicht mehr.
Ich bin heute hier um eben diese Situation auf fotografischem Filmmaterial einzufangen. Mein Vorhaben ist, mittels Langzeitbelichtung den Verkehr zu einem einheitlichen, grauen Schleier verfließen zu lassen. Dieser soll sich durch einen Teil des Bildes – welches eigentlich das Gebäude im Hintergrund zum Hauptmotiv hat – ziehen und damit die obig beschriebenen Einschränkungen in der Wahrnehmung repräsentieren.
Die analoge Technik kommt zum Einsatz, weil diese erstens auch bei Langzeitbelichtungen sehr hohe Qualität bietet und sie zweitens – vor allem in Zeiten der digitalen Bildbearbeitung und -manipulation – für eine authentische Bildaussage steht. Aus diesem Grund werden die späteren Bilder auch nicht bis in die feinsten Details retuschiert, sondern im Gegenteil viele Details (u.A.: Chemierückstände, Schmutz auf Fassade, Straße, Boden, Über- und Unterbelichtungen, einfache fotografische Fehler,…) so belassen, wie sie aufgenommen wurden.


 

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Der Graue Ring, № I, 2015

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Der Graue Ring, № II, 2015

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Der Graue Ring, № III, 2015

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Der Graue Ring, № IV, 2015

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Der Graue Ring, № V, 2015

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Der Graue Ring, № VI, 2015

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Der Graue Ring, № VII, 2015